Beitrag von 2018, längst überholt + damals M3 noch vor Lieferung wieder abbestellt. Interessant aber das Mediengeflimmer aus heutiger Sicht.
Vor ein paar Monaten auf dem Friseurstuhl geschah es: Der Barbier meines Vertrauens wurde ans Telefon gerufen und ich nutzte die Zeit, um per Smartphone einen Tesla zu bestellen. Gerade war bekannt geworden, dass alle drei deutschen Hersteller über einen gemeinsam gegründeten Lobbyverband Affen Dieselabgase hatten einatmen lassen.
Damit nicht genug, sie hatten dabei zusätzlich zu ihren gutgläubigen Kunden auch noch die armen Tiere über’s Ohr gehauen. Die atmeten nämlich noch nicht mal die tatsächlichen Abgase eines ihrer Dieselfahrzeuge ein sondern die per heimtückischer Abschalteinrichtung manipulierten. Das Ergebnis des „Tests“ wäre also noch nicht einmal valide gewesen.
Wir waren uns einig, dass, obwohl im genauen Zentrum der Zielgruppe, uns Volkswagen, Daimler oder BMW in diesem Leben wohl nichts mehr verkaufen wird.
Ein paar unbedachte Mausklicks später waren 1000,- Euro und eine Reservierung hinterlegt. Plan war, das Ganze ca. ein Jahr lang zu vergessen, bis dann ein neues Model 3 über den großen Teich schippert. Irgendwie konnte man aber der Versuchung nicht widerstehen, das Wort „Tesla“ hin und wieder mal einzutippen um zu sehen, wie dieses Auto überhaupt aussieht. Und jetzt beginnt die eigentliche Geschichte.
Das erste Suchergebnis war ein Artikel mit der Überschrift „Tesla, ein Nachruf“. Jemand ist sich ganz sicher, dass Tesla praktisch bereits gescheitert ist und erklärt genau die Gründe. Merkwürdig, denkt man. Ein verirrter Troll der ein bisschen Furore machen möchte? Nach und nach bemerkt man jedoch, dass die deutsche wie die US-Amerikanische Medienlandschaft fast schon Krieg führt, und das seit fast zwei Jahren.
Mal wird von „entsetzlich“ schlechter Vearbeitung geschrieben, dann wieder vom praktisch sicheren baldigen Bankrott. Es ist ein kaum zu glaubender medialer Negativ-Lärm, der täglich neue Schlagzeilen erzeugt. Er kommt aus der sogenannten Motorpresse, mehr aber noch aus dem Aktien- und Anlegermarkt.
Man könnten meinen, die Trump-Kampagne hat aus letzterem erst den Umgang mit Fake-News und Ad-Hoc-Falschmeldungen gelernt. Gerne wird z.B. angeführt, dass, wenn die großen Hersteller sich erst der Elektromobilität annehmen, diese sofort alles dominieren werden. Das mag möglich sein, ist aber gegenwärtig nur Spekulation bzw. eitles Wunschdenken.
Nach und nach wird klar: Die Tatsache, dass innerhalb weniger Tage fast eine halbe Million Leute ein Auto kauften ohne es jemals gesehen zu haben hat offenbar für deutlich mehr Unruhe gesorgt als man zugeben will. Einen solchen Vorgang hat es in der Geschichte der Autoindustrie noch niemals gegeben. Wolfsburg, Untertürkheim und München scheinen mit ihren Vorstandsetagen geradezu von Gravitationswellen durchgeschüttelt worden zu sein.
Mit diesem Erfolg hatte dort augenscheinlich keiner gerechnet und will ihn auch jetzt noch nicht wahr haben. Schlimmer noch: Man hat nichts entgegen zu setzen. Ein E-Golf oder ein i3 halbherzige Versuche denen man anmerkt, dass sie das Verbrenner-Segment nicht angreifen dürfen. Chancenlos gegen ein konsequent durchgeführtes Konzept.
Wer ab und zu die Sendung mit der Maus schaut weiß, wie lange die Entwicklungszyklen in der Autoindustrie dauern. Man schaue sich ansonsten einfach an, alle wieviel Jahre z.B. eine komplett neue Mercedes E-Klasse oder ein VW-Passat vorgestellt wird. Das dauert viele Jahre.
